Liebe Kollegen (m/w/d),
eins der wenigen guten Dinge am #StudentenLeben ist, dass ich zurzeit in der Uni bin und nicht viel arbeite.
Quick and dirty:
E kommt im ABCDE Schema zum Schluß. Ich will auch jetzt nicht auf einzelne thermische Notfälle eingehen (wie @RMamaervar gezeigt hat, auch Hypothermie ist möglich: https://twitter.com/RMamarvar/status/1143430260014374913?s=09).
Ich möchte nur nochmal kurz auf ein mir wichtiges Thema eingehen: Temperatur-Management.
Ganz wichtig: Ja, UNS IST WARM. Das ist aber keine Grundlage, dass das beim Patienten auch so ist!
Also, es ist heiß, wir arbeiten und uns wird verdammt schnell warm und wir schwitzen. Selbst beim Kacken.
Wenn wir jetzt noch einen Patienten wirklich RETTEN und ggf. noch Schutzkleidung, brauchen wir lange, bis wir wieder abkühlen. Natürlich stellen wir die Klima im RTW oder sonst wo auf "so kalt wie möglich".
Bitte denkt trotzdem dran: der Patient ist krank, vielleicht entkleidet. Ggf. Schock, Blutverlust, was auch immer. Wärmeerhalt KANN also auch trotzdem eine notwendige Maßnahme sein!
Messt die Temperatur, denkt dran, dass eure Hitze, nicht dem Patienten seinen Wäremhaushalt wieder gibt.
Selbiges gilt auch für den OP. Narkose, Gefäßdilatation, Blutverlust, Alter, soviele Faktoren. Zumindestens ein Temperatur-Monitoring sollte drin sein.
Wie oft hörte und höre ich den Satz "ABER MIR IST WARM". Das ist KEIN ARGUMENT.
Wie es heißen sollte: "Mir ist warm, wie ist das beim Patienten?"
Ansonsten passt auf euch auf!
Blog zum Twitter-Account @RescueNurse Hier dargestellt ausschließlich meine eigene Meinung! Gerne Meinung und sachliche Diskusion!
Mittwoch, 26. Juni 2019
Dienstag, 4. Juni 2019
Yin und Yang des Medizin-Studium
Ich
habe lange überlegt, was der erste Beitrag in meinem Blog sein soll.
Den ersten Beitrag über das Thema „Holster und Zusatzmaterial im
Rettungsdienst“ inspiriert von Jürgen Gollwitzer habe ich zwar
geschrieben, aber nicht veröffentlicht. War mir zu blöde.
Dann
hab ich als weiter überlegt, viele Ideen und doch so wenig Zeit oder
Ahnung.
Da
ich momentan wieder in alte Verhaltensmuster in meinem Studium
zurückfalle und mir dies bezüglich soviel auf der Seele brennt,
schreib ich dies nun wie es mir in den Sinn kommt einfach nieder.
Wie
der Titel schon sagt: Yin und Yang. Es gibt Gutes und vieles
Schlechtes im Studium. Nicht alles ist schlecht, nicht alles gut.
Alles hat mehrere Blickwinkel und mehrere Seiten…
Fangen
wir doch vor dem Studium an: die erste große Hürde beim Medizin
studieren ist heute überhaupt erst einmal einen Studienplatz zu
bekommen.
Die
Wartesemester sind bei weit über 14 Semester zurzeit. Das sind 7
Jahre! In der Zeit kann man zwei Ausbildungen machen oder mit dem
Studium schon fertig sein…
Wir
haben Ärzte-Mangel und kaum Studienplätze, die nach einem sehr
fragwürdigen System verteilt werden. Aufgrund einiger Vollidioten /
Eliäten soll dieses System sogar noch verschlechtert werden
(Abschaffung der Wartzeit u.a.).
Die
Abiturnote als Hauptqualifikation für das Studium ist einfach nicht
mehr zeitgerecht. Die Frage ist, was will ich am Ende für Ärzte
raus haben? Tatsächlich hat im PsychSoz Unterricht mal ein Dozent
gesagt: „wir brauchen mehr 1er Abiturienten im Studium und weniger
beruflich Qualifizierte“, woraufhin eine Studentin meinte: „Ja,
wir brauchen mehr Elite Ärzte, die ihr Studium mit Bestleistungen
abschließen“… Ja WHAT THE FUCK?! Mehr schreib ich dazu nicht.
Klar
eine gute Abiturnote KANN ein Indiz dafür sein, dass man in
Regelstudienzeit studiert und akademische Ansprüche erfüllt.
Stichwort Bulimie lernen ohne Verständnis.
Im
3. Staatsexamen nach dem PJ wird dann die Clavicular abgetastet,
obwohl die Schilddrüse untersucht werden soll und das ist KEIN Witz!
Auch
ansonsten was da für respektlose Gestalten im Studium auftauchen.
Keine Manieren, kein Respekt. Kein Wunder, dass einige Dozenten das
am Rest auslassen… Von der Sozial-Kompetenz ganz zu schweigen.
Woher soll die mit 18 auch kommen? NATÜRLICH sind nicht alle
„jungen“ Studenten so! Ich kenne einige 18 jährige die für ihr
Alter schon gute Sozialkompetenzen haben und sehr „reif“ sind.
Um
das ganze etwas abzukürzen: Ich finde die berufliche Qualifikation
sollte eine viel größere Rolle spielen. Wer bereit ist vor seinem
Studium erst einmal eine Ausbildung zu absolvieren, kann sich das
Studium nicht nur zum Teil selbst finanzieren, sondern hat bereits
erste wichtige, praktische Erfahrung gesammelt, auch was
„Lebenserfahrung“ an geht. Wer danach immer noch studieren will,
will es auch wirklich und wir arbeiten eh alle bis mindesten 78...
Apropos
Finanzierung: meine Verlobte ist letztens ernsthaft von einer
jüngeren Studentin gefragt worden: „Wie, finanzieren deine Eltern
dich nicht?“ Nein, wir kommen beide aus der heute fast nicht mehr
existenten „Mittelschicht“… Aber anderes Thema.
Wer
nun einen begehrten Studienplatz bekommen hat, darf sich erst mal
glücklich schätzen. Oder auch nicht…
Die
Vorklinik ist hart und scheiße. Das Wissen alle, die Medizin
studieren oder studiert haben. Aber auch in jedem anderen Studiengang
sind die ersten 3-4 Semester zum aussieben bzw. filtern.
Selbst
wenn du hoch motivierst und lern- sowie leistungsbereit bist, merkst
du ziemlich bald den Druck. Aber das soll ja vermutlich schon mal auf
die Zeit als Assistenzarzt vorbereiten, in der es ja heute „normal“
ist immer latent überfordert zu sein.
Für
„junge Studenten“ die gerade vom Abi kommen, mag die Anpassung
schnell erfolgen, aber selbst die merken schnell den enormen Druck,
der meistens nicht ohne Folgen bleibt. Die einen Saufen regelmäßig
soviel, dass man jedem Patient einen sehr langen Vortrag halten
würde. Auch Drogen sind keine Seltenheit, aber dazu komm ich noch.
Für
die etwas „älteren“ Studenten, die in der Wartezeit oft schon
eine oder zwei Ausbildungen absolviert haben, ist vor allem der
Kontrast von „beruflicher Wertschätzung und Kompetenz“ auf
„Student ohne Rechte und Kompetenzen“ (überspitze Darstellung)
schwierig.
Zu
mindestens ging es mir und meiner noch Freundin so. Noch, weil wir
bald heiraten, bei allen die ich kenne, die mit einer Beziehung ins
Studium gestartet sind, ist keiner mehr mit dem ursprünglichen
Partner zusammen oder hat überhaupt noch einen Partner (m/w/d). Aber
das ist ein Opfer, dass man bringen muss, wenn man Arzt werden will,
so erzählt man sich zu mindestens.
Naja
zurück zur gefühlten Abgabe jeder Rechte oder Wertschätzung.
Auch
hier Yin und Yang: natürlich gibt es die Profs, die ehrlich sind,
die motivierend und inspirierend sind. Und auch die an der Uni Mainz
verhassten, bösen, Physiker sind in Wahrheit sehr fair. Hier ist es
einfach das bei den Studenten verhasste Fach und das „Gelaber“,
was es von Studenten immer gibt. „In der letzten Physik-Klausur
kamen 4 Fragen zu Strahlung“. Die Physiker stellen als einziges
Institut ihre Altklausuren online, was eine wirklich gute
Vorbereitung auf die Klausur ermöglicht und ich hab nachgeguckt: in
der „letzten“ Klausur kamen genau die selben 2 „Strahlen-Fragen“,
wie immer. Es wird soviel Mist erfunden von Studenten… und die
Klausur dieses Semester wird immer die schwierigste, mit absolut
neuen Fragen sein…
Es
sind aber solche Rahmenbedingen, wie die Tatsache, dass man seinen
Stundenplan erst ca.(!) 14 Tage vor Vorlesung und Unterrichtsbeginn
bekommt. Bei Nachfrage wird dann direkt genervt abgewimmelt. Ein hoch
Komplexer Prozess, der von einem Computer erfolgt, denn man nicht
beschleunigen kann…
Aber besonders die Studenten ohne wohlhabende Eltern oder Stipendium, sind darauf angewiesen „nebenbei“ zu Arbeiten. Meine Freundin macht seit dem 1. Semester JEDEN Freitag Nachtdienst, um sich irgendwie das Studium zu finanzieren. Wie erwähnt, wir kommen beide aus der „Mittelschicht“.
Aber besonders die Studenten ohne wohlhabende Eltern oder Stipendium, sind darauf angewiesen „nebenbei“ zu Arbeiten. Meine Freundin macht seit dem 1. Semester JEDEN Freitag Nachtdienst, um sich irgendwie das Studium zu finanzieren. Wie erwähnt, wir kommen beide aus der „Mittelschicht“.
Tauschanfragen
sind zu arbeitsintensiv und werden in der Vorklinik kategorisch
abgelehnt. Wenn du dich mit der Sekretärin gut stellst und es
vernünftig (!) begründen kannst, ist aber auch mal was machbar.
Außer
bei Frau B., Sekretärin mit Dr. Titel, die menschlich soviel Leid
durchgemacht haben muss, dass jeder Dämon aus der Hölle mehr Seele
hat als diese Frau.
Übrigens
(Zitat einer anderen Sekretärin): Beerdigungen müssen geplant
werden! Gut ich kann verstehen, dass es genug dreiste Studenten gibt,
die das als Ausreden vorbringen, aber nicht jeder von uns ist so
dreist oder lügt…
In
der Klinik wird es auch nicht besser, aber anders und vor allem
unorganisierter: auch eins, von vielen, aktuellen Beispielen:
Wahlpflichtwoche. Kommilitonin bekommt Donnerstag einfach eine
E-Mail, dass das Wahlpflichtfach ausfällt und sie einem anderen
zugewiesen wird. Bei dem neuen Fach ist aber auch Freitags
Veranstaltung (bei dem anderen Fach war Freitag frei),
dementsprechend plant man ja auch seine Freizeit evtl. auch Arbeit.
Die
Sekretärin geht verfrüht ins Wochenende und du stehst dumm da…
Ist ja egal, du bist zugeteilt und du willst den Schein, nicht die
Uni. Haste halt Pech, wenn du Freitag arbeiten musst...
In
einem anderen Wahlpflichtfach sind noch 6 Plätze frei und zwar in
dem Fach, wo meine Freundin trotzt hoher Priorität keine Platz
bekommen hat… Alles sehr intransparent, aber das geht uns Studis ja
auch nichts an.
Solche
Beispiele könnte ich „endlos“ fortsetzen...
Wenn
man im 4. Semester noch in Regelstudienzeit sein sollte (so ca. 40%
an unserer Uni), hat man einen Hammer-Tag in der Woche: morgens um
09.00 Uhr bis abends um 18.40 Uhr mit weniger als 0,5 Pause
(insgesamt!), was dem Rahmenplan entspricht. Bekommst du
arbeitsrechtlich nirgendwo durchgesetzt, als Student kein Problem.
Solche
Beispiele gibt es viele. Natürlich gibt es Fachschaften, Asta und
Ausschüsse, aber was für Möglichkeiten haben wir Studenten
wirklich? Streiken? Ha. Wir brauchen oder zumindest wollen den
Studienabschluss mehr, als dass die Uni uns braucht…
Achja Klagen kann man. Tun auch viele. Also zu mindestens Medizin-Studis. Leider sehr oft und teilweise so dumm, dass die anderen Studierenden die leidtragenden sind.
Bestes
Beispiel: früher konnte man 6 mal (!) die Physik-Klausur schreiben.
Irgendein Idiot hat aus irgendeinem dummen Grund, an den ich mich
nicht mehr genau erinnere, geklagt. Tja, da hat man dann
festgestellt, dass das was die Physiker da gemacht hatten tatsächlich
falsch war:
als
Mediziner hat man nur 3 Versuche pro Fach laut Studienordnung. Tja
tolles Eigentor.
Laut Prof. im Seminar: aktuell noch 200 offene Klagen von Mediziner, allein bei uns an der Uni…
Laut Prof. im Seminar: aktuell noch 200 offene Klagen von Mediziner, allein bei uns an der Uni…
Wo
ich gerade bei Leistungsnachweisen bin: Kreuzen. Die meisten
Klausuren sind Multiple Choice Aufgaben. Eins der schwachsinnigsten
Prüfungsformate. Du hast schon eine 20% Chance richtig zu liegen,
ohne irgendwas zu wissen. Auch später das IMMP (Prüfungsamt für
Medizin) stellt Kreuz-Aufgaben. Was ein scheiß System, da kommen leider auch viel zu viele durch, die keine Ahnung haben...
Diese MC-Aufgaben
kann man durch Wort Spitzfindigkeiten echt schwierig machen, ohne das
man Wissen prüft. Selbst wenn man es auf 2 Fragen runter reduzieren
kann, ist es teilweise noch sehr schwer. Denn wenn man gutes Wissen
hat, können 2 Antworten Sinn machen und man kann für beide
Antworten sinnvoll argumentieren, da man Wissen hat. Das wird mit
diesem System aber nicht abgeprüft.
Hier
ein Link, wie man das optimieren könnte, damit auch Leute weiter
kommen, die gelernt haben und etwas können, MC Aufgaben aber einfach
scheiße finden:
Die
ganze Lehre ist aber eh sehr unstrukturiert: ein Organ hier, ein
Stoffwechsel da, aber keine Zusammenhänge und vor allem sinnvolle
Verknüpfungen… Dann kann man einige Kurse auch nur im Sommer oder
Wintersemester belegen, schaffst du eins nicht kannst du auch nichts
vorziehen…
Ich
habe mich von Anfang an in mein Studium rein gekniet. So richtig. Es
wurde mir von Anfang an suggeriert, dass man nur mit Fleiß und
„übermenschlicher“ Leistung dieses Studium schafft. Tja. Ich hab
die ersten beiden Semester 7 Tage die Woche gelernt. Jeden Tag.
Druck. Druck. Druck. So formt man ja bekannterweise Diamanten.
Das
es natürlich so gar nicht geklappt hat und ich nur einen Teil der
Klausuren bestanden habe ist im Nachhinein nicht verwunderlich.
Ich
hatte das erste mal in meinem Leben Prüfungsangst. Zwar nicht so
schlimm wie manch andere, aber für mich so sehr sehr, dass ich mir
Hilfe gesucht habe.
Die
Psycho-Therapeutische Beratungsstelle hat hierzu einen ganz tollen
Kurs und auch Einzelberatungen, der mir sehr viel gebracht haben.
Mittlerweile ist Samstag mein Erholungstag, an dem ich nichts mache,
außer das worauf ich Lust habe. Und trotzdem bringe ich noch viel
Leistung und Energie für mein Studium auf.
Immer
wieder falle ich in alte Verhaltensmuster zurück. Ist aber auch kein
Wunder. In der Uni bekommt man immer wieder viel Bullshit
eingetrichtert und auch das „soziale Leben“ dort ist sehr Uni
fixiert und steckt leicht wieder an.
Viele
kommen mit dem Druck nicht klar und suchen sich keine Hilfe. Das sind
dann die Alkohol und teilweise Drogen Exzesse. Ritalin im einen
Semester und Beta Blocker zur Prüfung. Alles keine Seltenheit. Redet
halt keiner drüber.
Vorweg:
ich trinke keinen Alkohol (schon vor dem Studium nicht) und ich habe
es bis jetzt ohne Medikamente oder Drogen durch Studium geschafft.
Aber
selbst ich hab zwischendurch ernsthaft daran gedacht Medikamente zu
nutzen. Ungefähr so wie Data kurz überlegt hat zu den Borg
überzulaufen (Star Trek Erster Kontakt).
Ich
bin ja schließlich vom Fach und weiß, was ich da tue.
Gefährliches
denken! Ich bin zum Glück so selbstreflektiert dies zu erkennen. Ich
will auch gar nicht etwas schaffen, nur mit Hilfe von Medikamenten
oder Drogen. Dann muss ich entweder was im System oder an mir ändern!
Aber der Gedanke ist natürlich trotzdem da gewesen und auch
verlockend. Beta Blocker ein paar Wochen vor der Prüfung oder ein
Benzo um mal abzuschalten nachts. Das kann ganz schnell auch in eine
psychische Abhängigkeit führen.
Selbst
wenn man „nur was pflanzliches“ wie Johanniskraut nimmt, am Ende
bildet man sich schnell ein es nur so zu schaffen oder ähnliches.
Ich
gebe auch zu, dass ich schon 3 mal in den letzten beiden Jahren (also
insgesamt 3 Nächte) ein Benzo zum Schlafen genommen habe, da ich gar
nicht mehr konnte. Absolute Ausnahmefälle, aber ich will nicht
wissen, wie das bei manch anderen aussieht. Über so was redet man ja
auch nicht so gerne, man ist ja ungern schwächer als die anderen...
Auch
auf Twitter ganz aktuell drüber geredet…
Zurzeit
schlafe ich Aufgrund des Stresses auch wieder schlecht, trotzdem
würde ich kein Benzo nehmen. Die Gefahr der Abhängigkeit ist mir
viel zu groß und außerdem will ich einfach nicht. Eher würde ich
das Studium abbrechen.
Apropos
Studium abbrechen. Ich bin mir sicher, dass jeder Student während
des Semester mindestens einmal drüber nachdenkt, ich auch!
Ein
guter Freund, den ich vor dem Studium gefragt habe ob er mein Mentor
fürs Studium sein könnte, hat mir hierfür folgende Frage
mitgegeben:
„Was willst du anstelle machen? Was macht dich auf Dauer glücklicher und was ist die Alternative? Wenn du mir das rational beantworten kannst, wechsle sofort!“
„Was willst du anstelle machen? Was macht dich auf Dauer glücklicher und was ist die Alternative? Wenn du mir das rational beantworten kannst, wechsle sofort!“
Tja
und diese Frage kann ich tatsächlich nicht wirklich gut beantworten.
Klar, ich könnte mich zum NFS weiter qualifizieren, bin am Ende dann
aber wieder von lokalen Standards und Notarzt Entscheidungen
abhängig. Anästhesiepflege ist halt auch so lalala wenn du lieber
die Medizin dabei machen willst…
Auch
Twitter spielt hier eine große Rolle: all die ganzen Leute, die
zeigen was moderne, evidenzbasierte (Notfall)Medizin kann. Das FOAM
nur als ein Beispiel, aber auch all die vielen tollen Leute, die eine
Vision haben und sich ständig verbessern wollen. Und am Ende
natürlich auch um eine Clamshell Thorakotomie machen zu dürfen
(Insider)…
Letztendlich
sehe ich nur die Möglichkeit mich und meine Fähigkeiten zu
verwirklichen, indem ich Arzt werden. Oder ich müsste in ein
komplett anderes Gebiet wechseln :-D Beamter auf der Verbandsgemeinde
scheint mir ganz entspannt zu sein…
Aber auch als Arzt gibt es nachher Nischen, in denen man entspannt Geld verdienen kann, ob das dann erfüllend ist, ist eine andere Frage.
Das
Thema hat natürlich sehr viele Facetten. Der Text eh schon sehr
lange. Aber natürlich gibt es auch positive Seiten: Semesterferien,
freiere Zeiteinteilung teilweise, später dann spannende Famulaturen
usw.
Achja
und ich weiß, dass ich „privilegiert“ bin und viel Glück gehabt
habe: männlich, weiß, Stipendium gehabt usw. Mal davon abgesehen,
dass ich direkt bei meiner 1. Bewerbung mit 26 einen Studienplatz
bekommen habe (tatsächlich wollte ich nie Medizin studieren und
daher vorher keine Attenuationen gehabt), konnte ich auch mit meiner
Freundin zum selben Semester an der selben Uni das Studium beginnen
(ja, wir haben uns vorm Studium kennen gelernt und sind immer noch
zusammen).
Trotzdem
ist es schwierig und teilweise unter aller Sau. Von beiden Seiten:
Uni die Steine in den Weg legt, Studenten die respektlos im
Unterricht sind, um nur je eins von vielen Beispielen zu nennen.
Deswegen
Yin und Yang: alles hat seine Licht und Schatten-Seiten. Am Ende muss
man sich das Ziel vor Augen halten: Arzt werden!
Für
die, die vom Studium geplagt sind, hier noch ein paar Tipps:
-
holt euch Hilfe, wenn es gar nicht mehr geht
- bleibt dran, hier ist das Ziel der Weg
-
gönnt euch Erholung, mindestens ein Tag die Woche frei (Uni ist
nichts anderes wie Arbeit in dem Fall)
-
haltet euer Selbstwertgefühl hoch, nicht ihr seid scheiße, sondern
das System!
-
die Wertschätzung eurer Person ist leistungsunabhängig! Ganz
wichtig: eure (wahren) Freunde mögen euch wegen eurer
Persönlichkeit, nicht eurer Leistung und Studium oder Beruf
Ich
hab so viele Freunde, die zwar in Regelstudienzeit sind, aber so
gelitten haben. Und auch bei vielen anderen habe ich pathologische,
psychische Verhaltensweise aufgrund des Studiums gesehen… Fragt
euch einfach: ist es das Wert? Wichtig ist zu verstehen, dass es
neben der Uni auch noch ein weiteres Leben gibt, immer. Wenn ich 100%
für Studium gebe, wo soll nach Zeit und Energie sein, wenn man was
„außerhalb der Reihe“ passiert, was im Leben immer passiert. Sei
es „nur“ die Waschmaschine die kaputt geht.
Wo wir auch noch beim finanziellen wären: wer kein Kredit aufnimmt, Bafög bekommt oder von den Eltern finanziert wird kennt dieses latente Gefühl irgendwo zwischen Hartz 4 und Obdachlosigkeit zu leben. 1 Zimmer große Wohnungen in Studentenstädten zu finanzieren ist manchmal schwieriger, als einfach ein Wohnmobil zu kaufen. Hier bin ich einfach froh, dass wir zu zweit studieren und so finanziell, aber auch moralisch unterstützen können. Ich weiß nicht, wie andere das machen…
Wo wir auch noch beim finanziellen wären: wer kein Kredit aufnimmt, Bafög bekommt oder von den Eltern finanziert wird kennt dieses latente Gefühl irgendwo zwischen Hartz 4 und Obdachlosigkeit zu leben. 1 Zimmer große Wohnungen in Studentenstädten zu finanzieren ist manchmal schwieriger, als einfach ein Wohnmobil zu kaufen. Hier bin ich einfach froh, dass wir zu zweit studieren und so finanziell, aber auch moralisch unterstützen können. Ich weiß nicht, wie andere das machen…
Es gibt noch soviel mehr zu sagen und zu beleuchten, aber ich hab schon soviel Text geschrieben, vielleicht zu anderer Zeit nochmal was dazu.
Zukünftige
Blogbeiträge werden (vielleicht?!) kürzer. Ihr könnt euch schon
auf folgende Themen freuen:
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#fuckupfriday: persönliche Fails, Lehren daraus und offene
Fehlerkultur
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Melatonin: das Schlafhormon, warum die Pharmaindustrie es nicht
vermarktet und die Vorteile von Melatonin
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Nabelschnur Zugang #FOAM
-
Eigenschutz im Rettungsdienst #FOAM
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warum nicht alle amerikanische Cops Rassisten sind und was wir lernen
können
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politische Überkorrektheit und warum wir alle weniger empfindlich
sein sollten. Die Welt ist das wofür wir sie halten
-
Karma und warum jeder von uns die Welt retten kann
Ich hoffe euch hat der erste Blogbeitrag gefallen. Eine sachliche Diskussion ist bei diesem subjektiven Themen sicherlich schwierig, aber ich freue mich auf den Austausch mit euch! Und falls irgendjemand Hilfe zum Thema Medizin Studium braucht stehe ich gerne zur Verfügung (Tipps, Tricks, Alltag und Studium)!
Freue
mich über Feedback!
RescueNurse
TS
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da viele Interesse an meiner Tätigkeit als Leiharbeiter im Rettungsdienst haben und ich auch gerne darüber berichte: hier mein Blogbeitrag...
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